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Wallriffschildkröte

Informationen zur Schildkrötenart

Wallriffschildkröte (Natator depressus)

Systematik:
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Chelonia)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Meeresschildkröten (Cheloniidae)
Gattung: Natator

Lateinischer Name:
(Natator depressus)

Allgemeines

Bis um die 1960er Jahre wurde die Wallriffschildkröte den Suppenschildkröten zugeordnet und hatte zu dieser Zeit noch den Namen Australische Suppenschildkröte. Inzwischen wird sie als eigene Art anerkannt und ist auch die einzige Art der Gattung Natator.

Natürliche Feinde der Wallriffschildkröten sind hauptsächlich Warane, Dingos und Füchse.

Verbreitungsgebiet

Die Wallriffschildkröte (Natator depressus), auch als Australische Suppenschildkröte bekannt, hat das kleinste Verbreitungsgebiet aller Meeresschildkrötenarten. Sie ist endemisch in den flachen Küstengewässern Nordaustraliens sowie angrenzenden Regionen von Papua-Neuguinea und dem südlichen Indonesien.

Australien:
Die Wallriffschildkröte bewohnt die nördlichen Küstengewässer Australiens, von den Kimberley-Inseln im Westen bis zur Torres-Straße im Osten. Hauptsächlich ist sie in flachen Gewässern mit Tiefen von bis zu 60 Metern anzutreffen.

Papua-Neuguinea und Indonesien:
Neben Australien wurden Wallriffschildkröten auch in den Küstengebieten von Papua-Neuguinea und dem südlichen Indonesien gesichtet. Diese Vorkommen sind jedoch seltener und weniger gut dokumentiert.

Lebensraum

Die Schildkröte bevorzugt flache, küstennahe Gewässer mit weichem Untergrund. Typische Lebensräume sind Buchten, Lagunen, Ästuare und Seegraswiesen. Sie meidet tiefe ozeanische Bereiche und hält sich meist in Tiefen von weniger als 60 Metern auf.

Im Gegensatz zu anderen Meeresschildkrötenarten unternimmt die Wallriffschildkröte keine ausgedehnten Wanderungen über offene Ozeane. Ihr gesamter Lebenszyklus spielt sich in den flachen Gewässern des Kontinentalschelfs ab, was sie besonders anfällig für lokale Bedrohungen macht.

Aussehen

Die Farbe des Panzers variiert zwischen olivgrün bis grau. Ausgewachsene Tiere haben mit Haut überzogene Hornplatten und gewölbte Randschilde. Der Panzer ist zwischen 90 und 95 cm groß und ist ellipsenförmig. Der Bauchpanzer ist weiß bis beige gefärbt. Eine Wallriffschildkröte kann bis zu 140 kg schwer werden. Wiedererkennungsmerkmal sind die zwei Hornschilde an der Stirn, die bei anderen Meeresschildkröten fehlen.

Verhalten

Wallriffschildkröten legen größere, dafür aber weniger Eier ab. Weibchen erzeugen zwischen ein und vier Gelege, der Abstand zwischen ihnen beträgt ca. zwei Wochen. Weibchen legen nur alle zwei Jahre Eier ab. Die Jungtiere haben einen grau gefärbten Rückenpanzer. Zwischen den Hornplatten sind schwarze Linien. Bei den jüngeren Schildkröten sind sowohl der Bauchpanzer als auch die gesamte Körperunterseite hell gefärbt.

Ernährung

Wallriffschildkröten ernähren sich von pflanzlichen als auch von tierischen Organismen, wie etwa Braunalgen, Seegras, Quallen, Garnelen und Seegurken.

Fortpflanzung

Die Wallriffschildkröte (Natator depressus) ist eine Meeresschildkrötenart, die ausschließlich an den Stränden Nordaustraliens nistet. Ihre Fortpflanzung ist stark saisonal und erfolgt typischerweise während der Sommermonate, wenn die Umweltbedingungen für die Entwicklung der Eier optimal sind.

Paarung:
Die Paarung findet in den flachen Küstengewässern nahe den Niststränden statt. Während der Paarungszeit konkurrieren Männchen häufig um Weibchen, die mehrere Paarungen mit unterschiedlichen Partnern eingehen können. Das Weibchen speichert die Spermien, sodass sie über mehrere Wochen hinweg mehrere Gelege befruchten kann.

Eierlegen:
Die Weibchen kehren zur Eiablage an die Strände zurück, an denen sie selbst geschlüpft sind. Dort graben sie mit ihren Hinterflossen eine etwa 50–60 cm tiefe Grube in den Sand und legen pro Gelege zwischen 50 und 70 Eier. Diese Eier sind größer als die anderer Meeresschildkrötenarten und haben einen Durchmesser von etwa 5 cm.

Brutzeit:
Die Eier benötigen etwa 50 bis 60 Tage zur Entwicklung. Die Temperatur im Sand bestimmt das Geschlecht der Jungtiere: Höhere Temperaturen führen überwiegend zur Entwicklung von Weibchen, während niedrigere Temperaturen Männchen hervorbringen.

Schlüpfen der Jungtiere:
Die Jungtiere schlüpfen synchron, meist nachts, und orientieren sich am Licht des Horizonts, um das Meer zu erreichen. Dabei sind sie besonders anfällig für Fressfeinde wie Krabben, Vögel und Raubfische.

Reproduktionsrate:
Ein Weibchen kann während einer Nistsaison bis zu vier Gelege ablegen, kehrt aber oft nur alle zwei bis drei Jahre zur Eiablage zurück. Diese niedrige Reproduktionsrate und die hohe Sterblichkeit der Jungtiere tragen dazu bei, dass die Population der Wallriffschildkröte empfindlich auf Umweltveränderungen reagiert.

Natürliche Feinde

Die Wallriffschildkröte (Natator depressus) hat im Laufe ihres Lebenszyklus unterschiedliche Feinde, die vor allem Eier, Jungtiere und kleinere Individuen bedrohen. Adulte Tiere haben nur wenige natürliche Feinde, da ihre Größe und ihr kräftiger Panzer sie gut schützen.

Eier und Jungtiere:
Die größte Gefahr für Eier und frisch geschlüpfte Jungtiere besteht während der Nist- und Schlüpfphase. Zu den Hauptfeinden gehören:

  • Raubvögel: Möwen und Reiher erbeuten die Jungtiere, sobald sie die Nistgrube verlassen.
  • Säugetiere: Füchse, Wildhunde und Schweine plündern die Nester und fressen die Eier.
  • Krustentiere: Krabben greifen die schutzlosen Jungtiere auf ihrem Weg ins Meer an.
  • Fische: Raubfische wie Haie und Barrakudas stellen im Wasser eine erhebliche Bedrohung für die Jungtiere dar.

Adulte Tiere:
Erwachsene Wallriffschildkröten haben nur wenige natürliche Feinde. Gelegentlich werden sie von Haien oder großen Salzwasserkrokodilen angegriffen, insbesondere in seichteren Gewässern. Solche Angriffe sind jedoch selten.

Indirekte Gefahren:
Neben natürlichen Feinden stellt die Zerstörung ihres Lebensraums und die Verschmutzung der Küstengewässer durch menschliche Aktivitäten eine große Gefahr dar, da dies die Population von Jungtieren reduziert und die Fortpflanzung erschwert.

Gefährdung

Die Wallriffschildkröte (Natator depressus) wird von der IUCN derzeit als potenziell gefährdet (Near Threatened) eingestuft. Obwohl ihre Populationen stabil erscheinen, ist die Art durch verschiedene Bedrohungen gefährdet, die hauptsächlich durch menschliche Aktivitäten verursacht werden.

Hauptbedrohungen:

  • Lebensraumverlust: Küstenerosion, Bebauung und Tourismus zerstören wichtige Niststrände und reduzieren die Verfügbarkeit geeigneter Brutplätze.
  • Fischerei: Wallriffschildkröten verfangen sich häufig in Fischernetzen und ertrinken. Auch die Verwendung von Langleinen stellt eine Gefahr dar.
  • Plastikmüll: Wie viele Meeresschildkrötenarten verschluckt die Wallriffschildkröte häufig Plastik, was zu inneren Verletzungen und Todesfällen führt.
  • Klimawandel: Der Klimawandel beeinflusst die Sandtemperaturen an den Niststränden, was das Geschlechterverhältnis der Jungtiere verzerren kann. Extreme Wetterereignisse gefährden zudem die Stabilität der Küstenhabitate.
  • Illegale Entnahme: Eier und gelegentlich auch erwachsene Tiere werden in einigen Regionen illegal gesammelt und konsumiert.

Schutzmaßnahmen:
Die Wallriffschildkröte steht unter dem Schutz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) und genießt in Australien und anderen Ländern gesetzlichen Schutz. Wichtige Maßnahmen umfassen:

  • Die Einrichtung von Schutzgebieten an wichtigen Niststränden
  • Der Einsatz von Meeresschildkröten-sicheren Fischfangmethoden (z. B. TEDs, Turtle Excluder Devices)
  • Aufklärungskampagnen zur Reduzierung der Entnahme von Eiern und zur Vermeidung von Plastikverschmutzung

Dank dieser Schutzmaßnahmen haben sich einige Populationen stabilisiert. Dennoch bleibt die Art aufgrund ihres eingeschränkten Verbreitungsgebiets und ihrer spezifischen Lebensraumansprüche anfällig für Umweltveränderungen.

Lebenserwartung

Die Wallriffschildkröte (Natator depressus) hat eine geschätzte Lebenserwartung von etwa 50 bis 60 Jahren. Diese Spanne ist typisch für Meeresschildkröten und hängt stark von den Umweltbedingungen, der Verfügbarkeit von Nahrung und dem Schutz vor Fressfeinden ab.

Jungtierphase:
Die ersten Lebensjahre sind für Wallriffschildkröten besonders risikoreich, da sie während dieser Zeit zahlreichen Fressfeinden ausgesetzt sind. Es wird geschätzt, dass weniger als ein Prozent der geschlüpften Jungtiere das Erwachsenenalter erreicht. Die Überlebenschance erhöht sich jedoch deutlich, sobald sie eine größere Körpergröße erreicht haben.

Adulte Tiere:
Erwachsene Schildkröten sind durch ihre Größe und ihren kräftigen Panzer gut geschützt und haben dadurch eine hohe Lebenserwartung. Allerdings können menschliche Eingriffe wie der Beifang in Fischernetzen, Plastikverschmutzung und Lebensraumzerstörung die Lebensdauer erheblich verkürzen.

In Gefangenschaft oder unter idealen Bedingungen können Wallriffschildkröten eine höhere Lebenserwartung erreichen, da sie hier vor natürlichen Feinden und Umweltgefahren geschützt sind. Solche Bedingungen sind jedoch selten, da diese Art hauptsächlich in der freien Wildbahn lebt.


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